Kulturherbst im Rittergut Orr: von Joni Mitchell bis Rainer Maria Rilke

Neue Vortragsreihe, außergewöhnliche Klangwelten und ein doppelter Rilke-Schwerpunkt prägen das Veranstaltungsprogramm von September bis Dezember 2026

Pulheim. Musik zwischen Jazz, Klassik, Folk und Weltmusik, Literatur, erstmals auch multimediale Vorträge und ein besonderes Augenmerk auf Rainer Maria Rilke: Das Rittergut Orr startet mit einem vielseitigen Programm in die zweite Jahreshälfte 2026. Bis Mitte Dezember reicht das Spektrum von Joni Mitchell und Beethoven über die Musikwelt Irans und die Natur- und Kulturschätze Kenias bis hin zum fast schwerelos klingenden Theremin.

Einen besonderen Akzent setzen in diesem Herbst zwei neue Vortragsabende, mit denen das bisherige Kulturprogramm des Ritterguts erweitert wird. Am 19. November nimmt der Musikjournalist Bernd G. Schmitz sein Publikum mit in die „Musikwelt Irans“. Zahlreiche Musik- und Filmbeispiele zeigen eine vielfach unbekannte musikalische Vielfalt und erzählen zugleich von den Wechselwirkungen zwischen Kunst, gesellschaftlichem Wandel, Politik und Zensur. Der Bogen reicht von der lebendigen Kulturszene vor der Islamischen Revolution 1979 über die iranische Exilmusik bis zu heutigen Musikströmungen innerhalb des Landes.

Eine Woche später, am 26. November, führt die zweite Reise nach Ostafrika. Der Kölner Fotojournalist und Afrika-Kenner Hardy Fiebig präsentiert mit „Die Schätze von Kenia – Abenteuer Naturschutz zwischen Wiege der Menschheit und Masai Mara“ eine bildgewaltige Live-Reportage. Sie verbindet eindrucksvolle Landschaftsaufnahmen und persönliche Begegnungen mit Fragen nach dem Schutz des Natur- und Kulturerbes Kenias. Fiebig berichtet dabei auch von seinem langjährigen Engagement für Naturschutz und nachhaltige Entwicklung. Die Hälfte der Einnahmen aus dem Ticketverkauf wird an Treasures of Kenya e.V. gespendet.

Außergewöhnliche Konzerterlebnisse im Herrenhaus

Zu den musikalischen Höhepunkten zählt am 27. September das THE JONI PROJECT. Drei Musikerinnen und Singer-Songwriterinnen widmen sich dem Werk von Joni Mitchell und verbinden bekannte Songs mit den Geschichten hinter der Musik. Dabei geht es nicht um bloßes Nachspielen, sondern um eigenständige Interpretationen einer der einflussreichsten Songwriterinnen des 20. Jahrhunderts.

Ein besonders selten zu erlebendes Instrument steht am 22. November im Mittelpunkt: Bei „Amaryllis – Where Heaven meets Jazz“ treffen Theremin, Tenorsaxophon und Klavier aufeinander. Gilda Razani und Hanzō Wanning verbinden Kompositionen und musikalische Ideen von Morricone, Monk und Mozart mit Improvisation. Das berührungslos gespielte Theremin verleiht dem Konzert dabei seinen charakteristischen, beinahe schwebenden Klang.

JazzLounge: hochkarätiger Jazz im Herrenhaus

Einen festen Platz im Kulturprogramm hat die vom Jazztrompeter Peter Protschka kuratierte JazzLounge. Die Reihe bringt regelmäßig profilierte Musikerinnen und Musiker der deutschen und internationalen Jazzszene in das besondere Ambiente des historischen Herrenhauses.

Den Auftakt macht am 14. September die vielfach ausgezeichnete Altsaxophonistin Karolina Strassmayer mit dem Trio „Speak Your Truth“. Gemeinsam mit dem Schlagzeuger Drori Mondlak und dem Pianisten Mike Roelofs präsentiert sie melodischen, spontanen Jazz, der viel Raum für Improvisation und musikalische Interaktion lässt. Strassmayer wurde von den Lesern des amerikanischen Jazzmagazins DownBeat mehrfach unter die weltweit führenden Altsaxophonistinnen und -saxophonisten gewählt und gehört seit 2004 zur WDR Big Band.

Im Oktober folgen Peter Protschka und Paul Heller mit energiegeladenem Post- und Hardbop, bevor im November Matthias Schriefl und Tamara Lukasheva mit „Matria“ süddeutsche und ukrainische Musiktraditionen auf Jazz und Improvisation treffen lassen. Den Abschluss des JazzLounge-Jahres gestaltet am 14. Dezember das Sam Hogarth Trio mit elegantem, modernem Piano-Jazz und einer starken Verwurzelung in der Swing-Tradition.

Rainer Maria Rilke: Literatur und Musik in zwei Perspektiven

Im Jahr des 100. Todestages von Rainer Maria Rilke widmet das Rittergut Orr dem Dichter gleich zwei Veranstaltungen, die Literatur und Musik auf ganz unterschiedliche Weise miteinander verbinden.

Am 12. November gestaltet die Rezitatorin Madeleine Milojcic gemeinsam mit der Pianistin Kewen Wang den Abend „Rainer Maria Rilke – Die Weise des Erinnerns“. Rilkes Texte treten dabei in einen Dialog mit Musik und eröffnen einen Raum für Erinnerungen, innere Bilder und existenzielle Fragen.

Am 6. Dezember folgt mit AZOLIA – Rilke in Resonanz eine völlig andere Annäherung. Das internationale Quartett um Sängerin und Komponistin Sophie Tassignon vertont ausgewählte Gedichte Rilkes. Stimme, Saxophone, Klarinetten und Kontrabass schaffen eine transparente, kammermusikalisch geprägte Klangwelt zwischen zeitgenössischem Jazz, Poesie und freier musikalischer Gestaltung.

Von Beethoven bis Jazz, Krimi und Kölscher Weihnacht

Auch darüber hinaus bleibt das Programm bewusst breit gefächert. Den Auftakt bildet am 13. September die Matinee „Vocal-Colorit“ zum Tag des offenen Denkmals. Es folgen unter anderem das Beyond Swing Trio mit „Django Latino“, Beethoven mit dem Ensemble Altera Pars, Postbop mit Peter Protschka und Paul Heller, die Krimilesung „Mord ist ihr Metier“, Irish Folk mit The Velvet Green, die Nachwuchsmatinee „Talente von morgen“ sowie Matthias Schriefl und Tamara Lukasheva mit ihrem genreübergreifenden Programm „Matria“.

Zum Jahresausklang stehen außerdem „Weihnachten mit den Schmonzetten“, Monika Kampmanns „Friede auf Erden“, die „Kölsche Weihnacht – Advent op Kölsch“ und zum Abschluss der JazzLounge am 14. Dezember das Sam Hogarth Trio auf dem Programm.

Damit setzt das Kulturprogramm im Rittergut Orr erneut auf eine Mischung aus bekannten musikalischen Traditionen und Entdeckungen abseits des Gewohnten. Das historische Herrenhaus wird dabei zum Ort für Konzerte, Literatur und neue Perspektiven auf Kultur, Gesellschaft und die Welt.

Das vollständige Veranstaltungsprogramm, Informationen zu den Künstlerinnen und Künstlern sowie Tickets gibt es im Kulturkalender des Ritterguts Orr.

(Foto:Raimund Hegewald , KI-optimiert )