Die vierte Wohnanlage auf der Fläche an der Bernhardstraße in Brauweiler wird im kommenden Jahr errichtet. Der Rat der Stadt Pulheim hat in seiner gestrigen Sitzung die Mittel in Höhe von rund 3,1 Millionen Euro, die im Haushalt bereitstehen, freigegeben. In geheimer Abstimmung sprachen sich 35 Ratsmitglieder dafür aus, 26 stimmten dagegen, zwei enthielten sich.

Der Bau des vierten Containers ist erforderlich geworden, um ausreichend Plätze für Geflüchtete – insbesondere Familien – vorzuhalten. Damit soll zukünftig nach Möglichkeit vermieden werden, Notunterkünfte in Turnhallen einrichten zu müssen. Diese Hallen sollen für den Schul- und Vereinssport nutzbar bleiben.

Aus der Wohnanlage in Brauweiler werden Schulgebäude

Mit dem nun beschlossenen Bau des neuen Containers auf dem ehemaligen Tennenplatz an der Bernhardstraße in Brauweiler entstehen bis zu 100 Plätze, die nach Bedarf belegt werden. Die gesamte Unterkunft wird weiterhin nur als temporärer Standort dienen: Während des Neubaus der Richezaschule kann die Schule in den vier Wohnanlagen auf der Fläche untergebracht werden.

Schon im Jahr 2017 hatte der Rat der Stadt Pulheim beschlossen, dass das Grundstück „Sportplatz Bernhardstraße“ mit dem Ziel vermarktet werden soll, dass dort öffentlich geförderter Wohnungsbau entsteht. Dies soll im Anschluss an die Nutzung als Interimsstandort der Richezaschule erfolgen.

Pufferkapazität schaffen

Zum Hintergrund: Als der Rat in einer Sondersitzung am 7. Mai 2024 den Bau der Flüchtlingsunterkünfte in Sinnersdorf, Stommeln und Brauweiler beschlossen hatte, war zunächst auf den vierten Container auf dem ehemaligen Tennenplatz an der Bernhardstraße verzichtet worden.

Aus mehreren Gründen ist der Bau nun geboten: Zwar sind die Zahlen in diesem Jahr rückläufig, dennoch leben aktuell mehr als 1.400 Geflüchtete in Pulheim. Davon sind 831 Menschen in städtischen Unterkünften untergebracht (Stand: 2. Oktober 2026). Die Höchstzahl lag im Dezember 2024 bei 1.050 Personen in städtischen Unterkünften. Als Notunterkunft ist weiterhin das alte Hallenbad im Zentralort mit 43 Menschen belegt. Angesichts der globalen politischen Lage soll ein Puffer von rund 100 Plätzen vorgehalten werden. Damit soll möglichst vermieden werden, dass erneut Turnhallen für die Unterbringung Geflüchteter genutzt werden müssen.

Hinzu kommt, dass die rechnerisch vorhandenen Kapazitäten in den Unterkünften in der Praxis nicht vollständig ausgeschöpft werden können. Gründe hierfür sind insbesondere unterschiedliche Familiengrößen und -konstellationen, notwendige Notfallkapazitäten sowie organisatorische und soziale Erfordernisse bei der Belegung.

Dauerhafte Unterkünfte im Zentralort geplant

Der vierte Container in Brauweiler wird auch benötigt, um Kapazitäten für notwendige Umzüge zu schaffen: So sind die Interimsgebäude an der Straße „Zur Offenen Tür“ im Zentralort am Ende der maximal möglichen Nutzbarkeit. Bevor dort jedoch die Gebäude freigezogen und abgerissen werden können, müssen die Menschen an anderer Stelle untergebracht werden.

Darüber hinaus werden die zusätzlichen Plätze gebraucht, um andere Projekte rund um die Straße „Zur Offenen Tür“ realisieren zu können. So hat der zuständige Umwelt- und Planungsausschuss in seiner Sitzung am 8. Juli 2026 den Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan Nr. 171 gefasst. Dieser umfasst das Gebiet rund um das alte Hallenbad im Zentralort und sieht nicht nur Flächen für das neue Schulzentrum auf der sogenannten Reiherwiese vor. Vielmehr sollen auf dem Gelände am alten Schwimmbad, auf dem heute bereits Flüchtlingsunterkünfte stehen (Zur Offenen Tür Nr. 1 und Zur Offenen Tür Nr. 3), dauerhafte Unterkünfte für Geflüchtete gebaut werden.

In diesem Gebiet steht noch ein weiteres Projekt an: Auf dem Tennenplatz an der Ecke Peter-Kanters-Allee / Zur Offenen Tür soll eine neue Sporthalle entstehen. Dafür sind Parkplätze auch auf einer Fläche vorgesehen, auf der heute ebenfalls noch Unterkünfte stehen (Zur Offenen Tür Nr. 17), in denen vor allem Familien wohnen. Deshalb müssen auch diese Gebäude abgerissen werden, um die gesamte geplante Parkplatzanlage errichten zu können. Somit werden diese Unterbringungsplätze zukünftig wegfallen und somit fehlen.

Die aktuelle Vorlage ist auf der Homepage der Stadt Pulheim unter www.pulheim.de zu finden.